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Ein Kommentar von C. Schiller

 

Ich mag die Atmosphäre auf großen Turnieren, mit den schon aus der Entfernung sichtbaren Fahnen, der zunehmenden Zahl von Transportern auf den verstopften Zufahrtswegen und den buckeligen Weiden, die zu Parkplätzen umfunktioniert wurden. Fröhliche, angespannte, enttäuschte und begeisterte Gesichter überall, dazu hopsende Kinder in zu großen Reithosen. Schleifenponys grasen neben dem Reitplatz, Pokale, bei denen ständig der Deckel abfällt, werden vorsichtig balanciert, Spitzensportler und nervöse Einsteiger machen ihre Pferde auf dem Abreiteplatz warm. Glücksbringer werden schnell noch rumgereicht. Fallende Stangen, bleichgesichtige Eltern und Stallgemeinschaften in gleichfarbigen Shirts säumen die Bande. Dazwischen große, kleine, dicke und dünne Pferde in allen Farben, mit mehr oder weniger guter Abstammung, mal gut mal schlecht vorbereitet. Manche nervös, andere hochkonzentriert und dazwischen stehen die tiefenentspannten Schulpferde. Ihre Reiter etwas grün um die Nase. Im Viereck oder auf dem Springplatz dann volle Konzentration und alle fiebern mit. Turnieratmosphäre eben.


Seit einigen Jahren denke ich nicht mehr an flatternde Fahnen und schönen Sport. Ich ertappe mich bei dem Gedanken: „Hoffentlich passiert nichts“ und „Hoffentlich gibt es keine unschönen Bilder“. Und dieser Gedanke begleitet mich bis das Turnier vorbei ist. Dabei hat sich im Turniersport viel zum Wohl von Mensch und Tier getan. Die Regeln sind sehr viel strenger geworden, man geht auch untereinander härter ins Gericht. Das ist gewollt und richtig!


Wer aus der Reiterei kommt, weiß, wie unangenehm es werden konnte, wenn man vor wenigen Jahrzehnten den Mund aufgemacht hat. Das ist heute anders. Heute wird den Kritikern zugehört, und zwar mit zunehmender Aufmerksamkeit. Heute hören auch nicht mehr nur die zu, die es müssen, weil sie schlechte Dinge ändern können, heute hören alle zu. Und sie alle bilden sich aus den Aussagen die sie hören und den Bildern, die sie sehen, eine Meinung. Und diese Meinung äußern sie. Öffentlich, in den Online-Medien, vor allem in den Kommentarspalten. Sie verbreiten ihre Meinung, ihre Reflexion und werden damit zu Informanten für einen noch größeren Kreis. Und irgendwo am Rand stehen die Reiter und wundern sich über diese Form der negativen Aufmerksamkeit.


Nicht jeder mag den Reitsport. Das liegt auch daran, dass die schönen Dinge bei der nicht-reitenden Öffentlichkeit kaum Beachtung finden. Therapieprogramme, Integrationsprojekte, Jugendsportförderung, Seniorenangebote und herausragende Fortschritte bei der artgerechten Pferdehaltung – auch für Sportpferde – produzieren keine Schlagzeilen, erst recht nicht in den sozialen Netzwerken. All das führt zu einer verqueren Wahrnehmung dessen, was die Reiterei eigentlich ausmacht. Die Liebe zum Pferd und die Liebe zum fairen Sport.


Die öffentliche Wahrnehmung hat sich verändert.


Wer nicht weiß, dass die Mehrheit der Reiter an das Wohl des Pferdes zuerst denkt und nur dann von Pferden hört, wenn etwas passiert ist, muss zwangsläufig zu dem Schluss kommen, dass Pferde besser nur auf der Weide stehen sollten. Und diese Schlussfolgerung kann eines Tages zu einer durchsetzbaren Forderung werden. Die ersten Ausläufer sind schon sichtbar. Die öffentliche Wahrnehmung der Reiterei verändert sich, wie insgesamt die Bevölkerung sehr viel kritischer bei jeglicher Nutzung von Tieren geworden ist.
Wenn die Reiter ihren Sport retten wollen, werden sie hart mit jedem Quertreiber ins Gericht gehen müssen. Die Zeit drängt.

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